Wachheit für die Dumpfheit

Die Vorstellung ein von Krishna getrenntes Ich zu sein ist Leid.

Und das Annehmen spiritueller Konzepte überwindet die Trennung nicht.

Wenn man sich als etwas Abgetrenntes empfindet, wird im gleichen Augenblick der Glaube an die Notwendigkeit entstehen, überleben zu müssen.

Dieser Existenzkampf hat seine Grundlage aber nur in der Abwendung der Gegenwart Krishnas.

Es ist das Wesen  der Abwesenheit, dass die Abwesenheit ihre Abwesenheit nicht bemerkt. Was ist es, dass das menschliche Bewusstsein in die Abwesenheit führt? Was hat ein grösseres Interesse daran als an der Anwesenheit, dem bedingungslosen Sein mit Sri Krishna? Wir haben uns eingewöhnt, Anwesenheit als so bedrohlich und intensiv und damit unerträglich zu empfinden, dass wir unser Leben damit verbringen, danach zu suchen, ihr zu entkommen.

Konstante Anwesenheit grenzt für den normalen menschlichen Geist an Unerträglichkeit. In Wahrheit jedoch ist es die Freiheit selbst. Was für eine Erleichterung das wäre, keinen Schritt zur Seite tun zu müssen, aufzuhören, vom Ihm auszuweichen.

 

Die bedingte Seele lebt im Glauben, dass es um den Inhalt ihrer Gedanken gehe. Aber es geht vielmehr darum, diese Tendenz des Denkens selbst zu erkennen, zu beobachten, wie sie immer wieder den gleichen Knopf, die gleiche Reaktion hervorbringt. Und es ist ganz egal, welche Inhalte man dieser Tendenz gibt. Sie will sich einfach irgendwo festmachen. Da ist sie wie der Zweifel und der Widerstand, die auch einfach nur ihre Inhalte suchen.

Aber vielleicht ist der Zweifel nichts anderes, als ein Versuch, die Unerträglichkeit der Berührung mit Angst, mit geistigen Inhalten zu verschleiern. Und vielleicht ist der Widerstand auch nichts anderes als eine geistige Verschleierung der Unerträglichkeit mit der Kraft des Zornes zu sein.

Der denkende Geist flüchtet vor dieser Hitze, dieser für ihn unerträglichen Intensität der Berührung mit dem Heiligen. Es ist die Arrangierung der Vermeidung - und dies geschieht darin, dass er ständig irgendwelches geistiges Füllmaterial an die Oberfläche des Bewusstseins projiziert...... Klagen, Enthusiasmus, Ideen, Beschwerden, Pläne....

 

Wenn einen etwas sehr nahe kommt, empfinden wir es als intensiv. Wir sind uns gewohnt, das Leben auf Distanz zu halten. Das "Ich" ist ein Instrument, um Gott auf Distanz zu halten. Vor dem, nach dem wir uns am meisten sehnen, haben wir die grösste Angst: Der Vereinigung mit dem, was man glaubte, auf Distanz halten zu können. Und gleichzeitig ist diese Distanzierung das grösste Leid. Die Intensität der Nähe mit dem Selbst zerstört die Vorbehalte. Und alles, was glaubt, Distanz wahren zu können, zerfällt.

Ist der Tod, den man da durchgeht, wirklich gefährlich für das, was man ist? In der Oberflächlichkeit meinen wir, es könnte unser Wesen auflösen.

Wir halten an der Trennung fest, weil wir denken, da wären wir etwas Besonderes. Es ist wichtig, dass wir dies zum ersten Mal auch einmal bemerken. Menschen arbeiten viele Leben lang an den Tendenzen, die sie ins Besondere herausheben sollen, aber es ist nur zwar raffinierte, aber dennoch betonierte Trennung.

 

Es ist im ersten Moment immer schlimm, der Lüge ins Auge zu sehen, was wir tun. Teilweise sogar im guten Glauben, etwas für unser Innerstes zu tun.

Doch schon im zweiten Moment spürt man diese unendliche Erleichterung. Die Schwere und die Last des Unterbewusstseins löst sich auf im Lichte des Bewusstseins. Und dieser kurze Moment des Überwindens der Angst, das Stumpfe in einem nicht konfrontieren zu wollen, geht einher mit der Empfindung grösstmöglicher Leichtigkeit.

Schwer wiegen Gewichte, die wir in den Katakomben des Geistes aufbewahren.

Die Begegnung mit dem, was man ist, mit der Wahrheit, ist nie schwer - nur der lebenslange Widerstand dagegen. Alles, was unbegrenzt ist, kann keine Distanz haben zu irgendetwas.

Was für ein Urteil ist in diesem Moment da? Wofür verurteilt man sich in diesem Moment. Es ist sehr wichtig, dass man genau hinschaut, was jetzt da ist, bis in den Untergrund hinein, in den wir normalerweise nicht schauen. Und deshalb haben wir immer das Gefühl, von latenten Kräften beherrscht zu werden.

Weil wir unser Bewusstsein lieber an der Oberfläche belassen, und uns den unaufgestiegenen Gedanken nicht zuzuwenden getrauen - dem Ort, wo man nie hinschaut - tragen wir eine ständige Last mit uns. Denn die Gedanken sind viel schwerer als Materie. Das ist genau das Dilemma der meisten Menschen, deren Bewusstheit in der Oberfläche gefangen ist.

Wenn das Licht der bewussten Beobachtung dort hineinfällt, steigt ein Gedanke auf und wenn man sich dann nicht identifizierend auf diesen Gedanken stürzt, sondern ihn in der Meditation einfach nur wahrnimmt, verflüchtigt sich dieser in der Atmosphäre.

Doch im normalen menschlichen Zustand verflüchtigen sich die Gedanken nicht, sondern kreisen in einer Schleife, in der sie gefangen gehalten werden.

Es braucht nur die Bereitschaft, hinabzusteigen in den eigenen Geist.

Rückzug ist dafür eine grosse Möglichkeit damit sich das Auflösen kann, was einem in Wirklichkeit gar nicht zugehörig ist.

 

Die Geschichte des Ichs (dem ahankara, dem, was man nun für sein Ich hält) ist ein langes Drama über unzählige Leben hinweg. Man wollte unabhängig von der Beziehung zu Krishna eine Bedeutung, eine Existenz haben. Man hat seine eigene äusserliche Identität aufgebaut. Die eigene Welt mit den eigenen Habseligkeiten. Und irgendwann merkt man, dass genau dies eigentlich Trennung bedeutet.

Das war erst mal gar nicht aufgefallen, dass man damit eine Spaltung eingegangen ist.

Und nun wird einem schmerzlich das Leiden bewusst, das darin liegt, die Trennung gefordert und dann gelebt zu haben und nun die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen. Es ist nur eine scheinbare Schwierigkeit, die Entzweiung mit Krishna wieder aufzulösen. Das ist Liebe.

Aber es ist zu einer Gewohnheit geworden, einer Sucht, diese Trennung immer wieder neu zu erzeugen und Urteile sind eine brauchbare Methode dazu.

Die fühlende Bewusstwerdung davon ist der radikale Anfang.

 

Man sagt, man hätte keine Angst vor der Begegnung mit dem Absoluten und sei nicht in der konstanten Bemühung, ihm Widerstand zu leisten. Das ist eine der fundamentalen Unwahrheiten des bedingten Seins.

 

Sri Krishna saranam mama - mein lieber Herr, ich ergebe mich dir. Von nun an gehöre ich dir.

Der Kampf dagegen ist erkannt und aufgegeben - das ermöglicht einer Liebe zu gedeihen.